Der Kreisler – Reperatur, Leihen, Begegnung
Der Kreisler ist Reparaturwerkstatt, Leihladen und Dritter Ort zugleich – ein nachbarschaftlicher Ort, an dem die Bedürfnisse der Menschen im Viertel und gegenseitige Hilfe im Mittelpunkt stehen. Menschen bringen kaputte Geräte, Textilien oder kleine Möbel und reparieren sie gemeinsam mit erfahrenen Auskenner:innen – oder geben sie ab und holen sie später funktionstüchtig wieder ab. Wer kein Werkzeug kaufen will oder kann, leiht es aus. Das Angebot ist bewusst niedrigschwellig und für alle offen: für Menschen mit wenig Zeit, für jene, die Sorgearbeit leisten, für Haushalte mit knappem Budget. Informationen sind mehrsprachig verfügbar. Neben Reparatur und Leihe finden offene Nachbarschaftsversammlungen statt, Workshops zur gegenseitigen Katastrophenvorsorge – von Erster Hilfe bis zur Selbstorganisation bei Strom- oder Wasserausfall – sowie Lernräume, Sozialsprechstunden und vieles mehr. Als Dritter Ort – jenseits von Zuhause und Arbeit – ist der Kreisler ein Raum, in dem Nachbarschaft nicht nur stattfindet, sondern aktiv gestaltet wird.
In den sieben größten deutschen Städten stehen rund 8 Millionen Quadratmeter Gewerbefläche leer – während gleichzeitig soziale Infrastruktur fehlt und Menschen kaum Orte finden, an denen gegenseitige Hilfe und gemeinsames Handeln möglich sind. Der Kreisler bespielt eine solche Fläche in einem Nahversorgungszentrum (in der Berliner Gropiusstadt) und verwandelt sie in einen Dritten Ort – sichtbar, mitten im Alltag des Stadtteils. Kaputte Dinge zu reparieren statt wegzuwerfen ist dabei kein individueller Akt des guten Gewissens, sondern eine kollektive Praxis, die Neukonsum vermeidet, Fähigkeiten stärkt und soziale Beziehungen aufbaut – eine konkrete Antwort auf planetare Grenzen, wachsende Ungleichheit und den Verlust von Handlungsmacht im Alltag.
Finanziert wird der Kreisler nach den Prinzipien des gemeinschaftsgetragenen Wirtschaftens (CSX): Die laufenden Kosten werden über einkommensabhängige Mitgliedsbeiträge gemeinsam getragen – zwischen 2 und 20 Euro im Monat. Wer mehr kann, trägt mehr bei. Wer weniger hat, zahlt weniger. Aus anonymen Nutzer:innen werden Mittragende – Menschen, die den Ort gemeinsam finanzieren, mitgestalten und von ihm profitieren. Ziel ist, dass sich ein Standort nach etwa zwei Jahren weitgehend selbst trägt.
Aus diesem ersten Standort ist die Kampagne „Ein Kreisler in jedem Viertel“ entstanden: Reparaturorte als Teil der städtischen Grundversorgung denken – so selbstverständlich wie Bibliotheken und Nachbarschaftshäuser, so nah wie der Bäcker um die Ecke. Und dabei überall: Gewerbeleerstände in Dritte Orte mit gemeinwohlorientierter Infrastruktur verwandeln.
Projektträger:
Kreisler Berlin
Adresse:
Lucy-Lameck-Straße 17
12049 Berlin
Foto: Svenja Dalferth